Ich blicke auf die Stadt und sehe einen ‚Sozialkörper‘. Den Menschen als Schöpfer und Gestalter blende ich hierbei aus und konzentriere mich nur auf den urbanen ‚Körper‘, fokussiere mich auf Stein, Stahl, Holz und Glas. Genau hingeschaut wird man aufmerksam auf die fortwährende Bewegung in diesem vermeintlich starren System aus Gebäuden und Straßen. Abreißen, wieder errichten, erweitern und neues Terrain erschließen – der pure Organismus. Dazu dokumentierte ich für einige Wochen die Vorgänge an einer Abrissstelle in einem Winkel der Innenstadt, machte mich zum ausführlichen Chronisten einer Dekonstruktion. Je genauer man hinsieht, desto weniger bestimmen die Resultate einer solchen Materialumwälzung die eigene Wahrnehmung. Interessant ist nicht allein die Reihung Abriss – Lücke – neues Gebäude. Es sind die Momente dazwischen, sie weisen über das rein Materielle hinaus. Genau die Augenblicke, in denen sich der urbane Aggregatzustand ändert. In meinem Stadtlaboratorium werden die dinglichen Rückstände der Demontage auf drei unterschiedliche Weisen unter die Lupe genommen: Analyse: Materialhaufen ... die Zutaten des Ganzen Die Haufen: Maschinen haben sie zu Material-Gemeinschaften zusammengefasst. Sie sind Zeugnisse vergangenen Stadtlebens, Komposthaufen aus Stadt-Granulat, die wir auch wegen ihrer flüchtigen Existenz sonst nicht wahrnehmen. Doch trotz aller Losgelöstheit deutet die Sortierung der Stoffe bereits die Weiterexistenz in einem anderen Teil des Gesamtgefüges Stadt an.   Wir betrachten dieses ‚schöne Chaos‘ als Abbild: Die betonte Zweidimensionalität dient der Analyse. Letztendlich geht es nicht um die Präsenz des Gegenständlichen, der Haufen, sondern um die Wahrnehmung des Umwälzprozesses. Interpretation: Skulpturen gespeicherter Energie ... neue Hülle für alte Funktionsträger Dieser flüchtige Vorgang, jenes ‚Dazwischen‘ wird nunmehr konserviert. Dafür habe ich Material gewählt, das der zerstörerischen Kraft der Bagger trotzte. Die Maschinengewalt hat es nicht zerstört, dafür aber massiv verformt. Durch das „Konservierungsmittel“ wird die schiere Energie in der Deformation offenbar. Die Spuren des Kraftaktes werden maximal kontrastiert. Von ihrer ehemaligen Funktion befreit, wird den Gegenständen so die Schwere genommen, nunmehr müssen sie nur noch ‚sein‘. (Neu-)Konstruktion: Raum-Installationen aus ‚Gebäudemembranen‘ ... Neue Aussichten Ganz anders wird mit den fragilsten Überbleibseln der Abbruchhäuser verfahren: den Fenstern. Bei der Demontage wurden sie separat behandelt und bleiben zunächst als Ganzes erhalten. In der Ausstellung werden sie quasi wieder ihrer zugedachten Funktion zugeführt. Ohne Gebäudehülle, neu angeordnet, stehen die Fenster nunmehr in Beziehung zueinander. Neue Ansichten und Perspektiven entstehen und werden entwickelt. In dieses Spiel mit dem Innen und dem Außen wird der Besucher mit einbezogen.
Eisfabrik • Weisse Halle Seilerstrasse 15D • 30171 Hannover www.eisfabrik.com
18. Januar – 15. Februar 2015
Öffnungszeiten: Do. – Sa. 15 – 20 Uhr • So. 14 – 18 Uhr
Konzept Dokumentation Ausstellung Konzept Dokumentation Ausstellung
Stadtlaboratorium
Konzept
© Sylwia Jankowski